documenta 02: Das Urteil

Die Documenta 15 zeigt vieles, nur nach Kunst sucht man länger. Es gibt sie, aber sie macht sich rar. Und man fragt sich, ob dies der Tod der Kuratorenkultur sei, die mit der Geschichte der Documenta, mit Namen wie Harald Szeemann, Jan Hoet oder Adam Szymczik so eng verbunden ist. Jetzt sieht man hier viel Plunder und Talmi und wird durch antiquierte Konzepte an der Nase herumgeführt. Das Dialogische ist wohl nur für Eingeweihte zugänglich. Und unterkomplex geht es gleichfalls in Kassel zu. Fazit vorab: Es war schlecht wie nie. Kaum zu beschreiben, was für Ungeheuerlichkeiten dort aufgeboten wurden, um zudem noch schlechte Politik zu machen.

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AICA Germany Aligns Itself with the UNESCO Protest against the War in Ukraine

Es gibt nicht viel zu schreiben. In diesen Tagen regieren Angst und in großen Teilen Hoffnungslosigkeit. Jedoch wir werden nicht auf immer sprachlos sein und bleiben. Meine Stimme ist bei denen, die zu Unrecht geknechtet, vertrieben, ermordet, gefoltert, verachtet und zu jung und unwissend in den Krieg geschickt werden. Die Kinder, die Bevölkerung, die für ein geklittertes, gefälschtes und mythologisch verbrämtes Privatgeschichtsbild eines Potentaten leiden müssen, sind in meinem Herzen. Für eine an Unsinn, Nichtsinn, Widersinn reiche, skrupellose Herrscherclique, die neurotisch-narzisstisch an Ermangelung an Selbstwertgefühl erkrankt ist und meint, sie sei stark, habe ich nur Verachtung. Sie wird niemals gewinnen können. Ein Akt der Gewalt, und sei er noch so klein, ist stets ein Zeichen des Untergangs. Und möge sie noch so viel morden, rauben und brandschatzen: die Putin-Gangsterbande hat längst verloren. Liebe russische Mitbürgerinnen und Mitbürger, stemmt Euch gegen Eure rechtsbeugende Regierung. Liebe Ukrainer, seid stark!

Hier zitiere ich den vollständigen Wortlaut der Protestnote der deutschen Sektion der AICA.

The German Section of the International Association of Art Critics (AICA) aligns itself with the protest of numerous UNESCO Commissions against the war in Ukraine. In a statement dated 26 February, at least two dozen UNESCO Commissions, so far, have joined forces for the first time to declare that: ‘The latest events mark a turning-point for Ukraine, Europe and the whole world.’ They go on to ‘protest in the strongest possible terms against the Russian Federation’s attack on Ukraine’. Over two dozen countries in Europe have so far come together to sign this joint declaration.

As the Executive Committee of AICA Germany put it: ‘Our feelings of sympathy and solidarity naturally go out to those in Ukraine who are fighting for their freedom and self-determination or are suffering the dreadful consequences of the Russian aggression’. Equally inspiring is the courage of the many men and women in Russia who have congregated in the streets and squares of Russian cities, to demonstrate against their country’s war: thousands of them have already been arrested during the first days of the war.

Despite the harsh repression of Putin’s state, countless Russian artists have shown the courage to take part in the anti-war protests. ‘Initial reports suggest that an important museum in Moscow has also stopped work. Initial reports suggest that an important museum in Moscow has suspended its activities, in order not to create any semblance of normality in life in Russia’, according to Danièle Perrier, the President of AICA Germany.

Sein Name sei…*

Bolee hat mir einen Text geschenkt. Der ist eine Reaktion auf die «Laubsätzertage». Er spinnt den Gedanken weiter, fügt eigene an und schafft eine schöne, leicht unheimliche Stimmung, die exzellent mit der Unbestimmtheit der Fotos und ihrer Abfolge harmoniert. Vielen Dank dafür, lieber Bolee.

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Laubsätzertage

Tag für Tag geht man dieselben Pfade mit dem Hund. Irgendwann sieht man nichts mehr als die Eintönigkeit einer dörflichen Landschaft mit Feldern, auf denen Jahr für Jahr dasselbe wächst. Doch einen Tag später sieht man mehr als am ersten Tag. So entstehen Geschichten und Bilder. So entstanden die „Laubsätzertage“. Jetzt sind sie nach zweijähriger Arbeit erschienen. Das Bilderbuch mit ein paar kurzen Texten ist das Ergebnis der ungezählten Spaziergänge hier auf dem Dorf. In den 47 Fotografien spielt sich vielleicht kein Drama ab, aber wer eines sehen mag, sieht es eben.

Informationen

Matthias Kampmann, Holger Karsch: Laubsätzertage, bAEndit/epubli (Berlin) 2021, ISBN: 978-3-7541-0031-8 , 112 Seiten, 47 Farbfotografien, 26,99 Euro

DNB-Datensatz: http://d-nb.info/1230267875

Welche Ehre! Blossfeldt, Erwitt. Struth, Lindbergh entdecke ich. Das ist das Schaufenster meines Freundes und Lieblingsbuchhändlers Hartmut Ober (Der Bücher Ober), dem ich an dieser Stelle nicht nur für seine liebenswürdige Geste danke, mein Büchlein in so prominenter Runde platziert zu haben. Ein großes Dankeschön auch für seine Mühen, mich über Jahre mit dem Stoff, aus dem die Gedanken sind, zu beliefern. Wenn Arno Schmidt meinte, dass es keine Seligkeit ohne Bücher gibt, behaupte ich, dass man nicht ohne seinen persönlichen Buchhändler selig werden kann. Danke Hartmut, für alles!

Verlagsbestellung: https://www.epubli.de/shop/buch/Laubs%C3%A4tzertage-Matthias-Kampmann-Holger-Karsch-9783754100318/111740

Von Frisören und Texten

Debatten über Journalisten und ihre Arbeit sind mir spätestens seit den unsinnigen Injurien der aluhütigen Rechtsaußenfraktion zuwider. Viele Menschen verstehen nicht, was Journalisten machen. Klischees in Hollywood-Filmen tragen ihren Teil dazu bei, dass diese Berufsgruppe zusehends in Verruf gerät. Überhaupt: Die Journalistin oder den Journalisten gibt es nicht im Kollektivsingular. In diesem Textchen denke ich als Ex-Journalist darüber nach, was denn den Unterschied zwischen den Menschen aus der Redaktion und anderen Schreibern, vielleicht denen, die sich auf Microblogging-Seiten auslassen, ausmacht.

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Zerbrochene Bilder

Celluloid Crazy

Das Jahr nimmt seinen Lauf, und die Unvernunft scheint gleichfalls zu grassieren. Urlaubsstimmung. Nimm den Leuten ihre Gewohnheiten, und sogleich steigen die Aluhüte maskenlos in ihre Fahrzeuge, machen mobil und gehen ungeschützt auf die Straßen Berlins. Geschätzte 500.000 sollen es heute werden.* Sie beschwören mit ihren schwarzweißroten Fahnen die zurecht untergegangenen Kaiserreiche des Unrechts. Und sie bemerken nicht, wie das sehnlichst herbeigewünschte System sie selbst ab- und verspeisen wird in und mit legitimationsloser, unkontrollierter Gewalt. Hatten wir doch schon alles. Trotz Hut vor Kollektivsingularen: Man wird den Eindruck nicht los, als seien dies die zappelig-halbtrotzigen Manifestationen eines unterschwelligen Todestriebs, der Demokratien inne zu wohnen scheint. Ist das zynisch? Übertrieben? Was machen siebzig Jahre Frieden mit einem Teilchen der Menschen hierzulande? Was da zu sehen ist, ist schwer erträglich und erinnert an die netten Menschen mit den lustigen Bemalungen und Kleidern, die in «Mars Attacks» oder «Independence Day» die scheinbar friedlichen Aliens erwarten: Halb-Nazi-Lemminge im hirnlos-impfgegnerischen Wohlstandsfett. Dabei zerbrechen beinahe die Bilder von einer friedlichen Gesellschaft, die durch die Freiheitlich-demokratische Grundordnung (FDGO) eigentlich den besten nur denkbaren Kitt, Halt und Freiheitsgaranten bekommen hat, der nach der Zeit des Faschismus vorstellbar war. Das Jahr nimmt seinen Lauf, das Virus auch. Wir werden es sehen.

Update, 03.08.2020: Lustige Zahlenräume 20k? 1,3 Mio? Liebe Fakeburger, wenn Ihr Euch mit Gouda zudeckt, seid Ihr vor Erd- und Luftbestrahlung sicher und auch vor zu wenig Anteilnahme. Emmentaler oder Leerdamer tun’s auch. Die Scheiben sollten ca. 5 Millimeter dick sein. Dann erst hilft der Cheese Shield. Bitte vorher auf jeden Fall mit Bio-Remoulade einreiben. Für diejenigen, welche den nicht brauchen, stehen die Infos hier: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-demo-berlin-109.html.

Weniger erregend

Kein Frosch in der Maske. Foto: © Matthias Kampmann, 2020

Die Nichtraucher echauffierten sich über all diese Kippen im Grün. Das Ordnungsamt recherchierte die Schuldigen von wilden Müllplätzen. Und was sonst noch alles in der alten Welt vorkam, blieb niemandem verborgen, und man konnte bisweilen nur den Kopf über die Ignoranz der Bürger*innen schütteln, die Wege verschmutzten. Und die Hunde erst. Besser: der Hundekot. Ja, das waren gute alte Zeiten, in denen Aufreger über die Schmutzfinken noch solche waren. Mit Vergnügen und Wehmut erinnern wir uns an die kotgefüllten Plastiktüten, die von Hundebesitzern am Wegesrand liegen gelassen wurden. Und als Hundebesitzer fragte ich mich, warum man das nicht mitnehmen konnte. Und heute? Heute verlieren die Aluhüte nicht nur Kopf, Contenance und Verstand, sondern auch ihre Masken. Und wahrscheinlich nicht nur die. Und die liegen mittlerweile überall in den Anlagen. Ich frage mich, ob unter den Maskenwegwerfern auch Hundehasser sind. Oder Wildmüllkippenbauer. Und was sagt mir das, dass ich das frage? Aber möchte ich eine Antwort? Ist das das neue Normal? Was normal ist: War es früher kacke, den Kot liegenzulassen, ist es heute Mist, die Masken überall fallen zu lassen. Daran ändert selbst ein aggressives Virus nichts.

Die Gegenwart: eine Groteske

Dystopia in Ratisbon

Geistertag zwei. BVB gewinnt wieder und wird sich von Götze trennen. Währenddessen pustet Thüringen bald jegliche Vorsicht in die Winds of Change. Und Meister Ramelow kraxelt über sieben Karat schwere Brückenpfeiler am Rande staatlich verordneten Föderalwahnsinns. Ich ziehe mir eine Plastiktüte über den Kopf. Dann bekomme ich nichts von der verseuchten Atmosphäre da draußen mit.

Übrigens wechselte ich 2014 von WordPress nach Drupal, weil der Blog vor lauter Müll von draußen nicht mehr zu pflegen war. Heute habe ich Gantz: O gesehen. Gegenwärtig helfen Dystopien. Als wäre die Gegenwart etwas anderes.