Coaching querdenken

Coaches haben Konjunktur. Der Blick von außen auf ein soziales Gefüge wie den Arbeitsplatz oder einen Menschen in seiner Arbeit kann bei Problemen oft weiterhelfen. Das ist der Job des Coaches. Coaching ist keine Zauberei, und der Coach ist kein Gott oder Popstar. Sascha Büttner, praktizierender Coach aus Leidenschaft, hat zusammen mit dem Kunsthistoriker Matthias Kampmann auf ungewöhnliche Weise ein ebenso unkonventionelles Buch über das Coaching verfasst. "Wir denken und diskutieren Coaching als einen offenen Prozess", beschreiben beide das etwas andere Vorhaben mit knapp über 300 Seiten.

Unkonventionell ist das Buch deswegen, weil es bereits der Inhaltsordnung nach auf den aktiven und konzentrierten Leser baut. Die Autoren geben keine der üblichen Hilfsmittel an die Hand. "Die Struktur ist grob und schon auf dem Titel angegeben. Somit konnten wir auf ein Inhaltsverzeichnis und Seitenzahlen verzichten", erklären die 1966 geborenen Autoren. Es gibt demgemäß kein Register, keinen Index, kein Glossar. "Wir wollten etwas schaffen, das intensiv und kursorisch zugleich ist und das sich selbst erschließt", kommentiert Sascha Büttner. "Daher bietet jede Seite einen potenziellen Einstiegsort", ergänzt Matthias Kampmann. Und zwar unideologisch: "Der Coach begleitet seinen Coaching-Partner, bis dieser seinen Weg alleine fortsetzen kann und will. Ziel der Begleitung, des Coachings, ist immer die Autonomie des Coaching-Partners", heißt es im Buch.

Das Buch setzt sich aus drei Textsorten zusammen. Einerseits gibt es kleinere "Reflexionen", denen anekdotenhaft Begegnungen zugrunde liegen. "Niemand braucht sich allerdings wiederzuerkennen", beschreibt Kampmann. Sascha Büttner: "Wir haben uns die Freiheit genommen, Ereignisse auf die Spitze zu treiben und ein paar literarische Charaktere zu formulieren, die spiegeln, was in den Unternehmungen an Figurationen von Führung, aber auch von Verhalten ganz allgemein in unserer Gesellschaft vorzufinden ist." In zwei "Notizbüchern" orientieren sich die Autoren an der antiken Technik des Hypomnemas, einer schriftlichen Erinnerungskultur, in der tagebuchartig eigene und unterschiedslos ohne Quellenangaben fremde Gedanken notiert werden. Den Kontext erschafft der Leser im eigenen Denken und Nachdenken. In Form von "Gesprächen" thematisieren die Autoren wesentliche Begriffe des gegenwärtigen Coachings. Abgerundet wird das Werk durch konzeptionelle fotografische Arbeiten der Autoren.

Dem Projekt liegt eine, dem Buch entnommene Bestimmung des Coaches und des Coachings zugrunde: "Ein Coach ist ein wissender Unwissender, ein Lehrer, Berater und Begleiter. Ein Coach kann in besonderen Fällen ein guter Freund sein. Das Grundverhältnis zwischen Coach und Coaching-Partner entspricht dem des Lehrer-Schüler-Verhältnisses." Coaching ist eine Form der kulturellen Arbeit: "Damit erzeugt sich ein anderes Wissen als etwa das Gespräch zwischen Kollegen in der Kantine oder bei der Zigarette vor der Tür." Damit versteht sich das Buch als Credo und Medium für eine am Menschlichen orientierte Lebenswelt.

Das Buch erschien bei BoD:

https://www.bod.de/buchshop/coaching-sascha-buettner-9783744869089