Gemeiner Eigennutz

Sollte die Annahme richtig sein, dass eingetragene Vereine, deren Gemeinnützigkeit anerkannt ist, Satzungen schreiben lassen, die stets im Sinne der Vereinsmitglieder sind? Sollte weiterhin die Annahme stimmen, dass Vereine, die sich um die Anliegen von Mietern kümmern, etwa der Mieterbund Regensburg, eine Klientel anzieht, die einerseits in der Regel wenig begütert ist, andererseits eintritt, weil diese Menschen sich ohnmächtig gegenüber den Stärkeren, den Vermietern, den Wohnungsgesellschaften fühlen, könnte eine weitere Annahme stimmen: Die Satzung wäre dann weniger am Profit als vielmehr an der Vorstellung orientiert, dass eben jene, die Hilfe suchen, in der Regel finanziell hilfsbedürftig sind. Doch das ist beim Regensburger Mieterbund, Am Römling 7, nicht der Fall. Keine Ahnung, wie lange ich schon im allgemeinen Mieterbund bin, aber seit Anfang 2004 lebe ich nicht mehr in Dortmund, war aber schon vor dem Fortzug Vereinsmitglied. Dann wurde meine Mitgliedschaft nach Leipzig, später dann Regensburg übergeben. Also bin ich ein altgedientes Mitglied. In anderen Vereinen hätte ich vielleicht schon eine Anwärterschaft auf die Bronzene Nadel erwirkt. Nicht so beim Mieterbund Regensburg. Dort wird man eher bestraft. Im vergangenen Jahr sind Umstände eingetreten, die mich dazu bewogen haben, auszutreten. Dass das geht, belegt die Satzung. Die jedoch habe ich nicht auswendig gelernt, hätte ich aber besser, denn das Wissen um die Details hätte Geld und Nerven erspart. Anfang Dezember 2015 habe ich schriftlich gekündigt. Zurück kam ein netter Brief, dass ich zum Ende des dritten Quartals hätte kündigen müssen. Mir läge ja die Satzung vor. In Kopie gab’s die natürlich noch dazu. Mit Textmarker waren die Stellen hervorgehoben. Jetzt also bin ich weiterhin, und zwar bis Ende 2016, volles Mitglied für dreiundachtzig Euro und ein paar Zerquetschte. Das nenne ich mal nah dran, nah an finanziell weniger gut gestellten Menschen, nah an Notleidenden, die Hilfe suchen, aber erst nach einem Jahr Mitgliedschaft bekommen – diese Liste moralischer Mängel ließe ich fortführen. In jedem Fall dachte ich, es wäre ganz nett, mal eine Stellungnahme aus dem Vorstand zu bekommen, doch Herr Schindler ist nicht willens, vielleicht auch gar nicht fähig, auf meine E-Mail zu antworten. Ja, ich weiß, die Regensburger sind nicht die einzigen Halsabschneider, aber immerhin bin ich dort und nicht etwa in Hannover oder sonst wo organisiert. Aber nein. Die Antwort auf meine E-Mail (s. u.) lautete:

Sehr geehrter Herr Dr. Kampmann,

zu Ihrer Email vom 15.12.2015 teilen wir mit, dass der Widerruf der Einzugsermächtigung eingetragen ist. Sie erhalten Anfang Januar 2016 eine Beitragsrechnung.

Mit freundlichen Grüßen

Mieterbund Regensburg e.V.

Ok, äh, was hatte ich noch einmal beabsichtigt? Vielleicht eine Reaktion? Sind dort doch nur Roboter am Start? Abgesehen von der Tatsache, dass wir zweimal in den vergangenen knappen zehn Jahren eine Beratung in Anspruch genommen haben, ließen wir Sie doch in Ruhe, lieber Herr Schindler. Warum bekomme ich also keine Antwort? Wie viel Kreuz hat er eigentlich, der Herr Schindler?

Wie dem auch sei: Das alles ist ja nun wirklich Kleinklein, aber es ist ein ärgerliches Kleinklein. Und ich weiß auch nicht, wer der bessere, fairere, erfolgreichere Partner für Mieter ist, Mieterschutz oder -bund. In Regensburg kann man ja zwischen den untereinander, wie man liest, befeindeten Clubs wählen: Zwei Dinge sind mir klar geworden, nämlich dass die knappen 90 Euro schmerzen und ich niemals, sollte ich je wieder Bedarf haben, diesem schweigsamen, wenig kulanten "Bund" für Eigennutz beitreten werden.

Nachtrag: Ach ja, dass so ein Verein mal eben den Betrag von ca. 65 auf 83,40 erhöht, ist bezeichnend.

Meine zugegeben erboste E-Mail zur Vervollständigung:

Betreff: Kündigung 10.12.2015 Nr. ?????

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bezug nehmend auf Ihre Bestätigung meiner Kündigung vom 7.12.2015

(Mitgl.- Nr. ?????) haben Sie mir leider nicht mitgeteilt, in welcher Höhe Gebühren fällig werden bzw. ob mein Widerruf des Bankeinzugs sofort vollzogen wurde und ich für 2016 selbst überweisen muss. Um doppeltes Überweisen bzw. Abbuchen zu vermeiden, bitte ich Sie, mir mitzuteilen, ob und bis wann ich welchen Betrag überweisen muss.

Da ich kein Jurist bin, aber schon seit mindestens 15 Jahren (ob in Dortmund, Leipzig oder Regensburg) kontinuierlich im Mieterbund Mitglied war/bin, gestatten Sie mir - unabhängig von den wenigen Malen, in denen ich die Hilfe Ihres oder eines Partnervereins im DMB in Anspruch genommen habe - Anmerkungen zu Ihrer aus meiner Sicht unchristlichen Satzung, die Sie gern Ihrem Vorstand weiterleiten dürfen:

1. Ich betrachte es als unangemessenes und wuchererisches Vorgehen, wenn einerseits bei Eintritt eine Wartezeit vorausgesetzt wird, bis man Hilfe bekommt, vor allem aus der Perspektive, dass man

2. im Falle einer Kündigung, die nicht ein Vierteljahr vor Abschluss des Kalenderjahrs ausgeschrieben wurde, für ein vollständiges weiteres Jahr Mitglied bleiben muss! Das ist nicht gerade das, was man sich als hilfreich aus der Sicht eines Hifesuchenden, Schwächeren vorstellt.

Vielmehr lässt das eigennützige Arbeit mit dem Geld der Mitglieder vermuten.

Stellen Sie sich bitte vor, wie es ist, wenn man sich den Vereinsbeitrag nicht mehr leisten kann. Das könnte ja der Grund meiner Kündigung sein - selbst wenn ich von Ihrer Arbeit überzeugt bin. Allerdings lese ich auch nicht alle zwei Wochen in den Unterlagen oder betreibe Vertragsvokabeltraining! Ja, ich weiß, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, dennoch ist diese Form der Mitgliedschaft alles andere als Werbung für Ihren Verein, selbst wenn sie mit Vertrags- und/oder Vereinsrecht übereinstimmt und alle anderen Städte im DMB dieselbe Satzung benutzen.

MfG