Juli 2014

Jirka Pfahl – "Punch"

Jirka Pfahl stellt mit Blick auf seine Arbeit "Punch" (2010) den Betrachter als Handelnden auf die Probe. Und zwar auf äußerst vielschichtige Arte und Weise. "Punch" bedient sich des Quadrats als einer Kardinalform der Kunstgeschichte der Klassischen Moderne. Auf den ersten Blick könnte es als ein Werk der sakrosankten Konkreten Kunst gehalten werden. Es hängt quasi selbstgenügsam als das, was es ist, an der Wand des Ausstellungsraums und zeigt nicht mehr, als eben ein weitgehend monochromes, beiges Quadrat mit einer nicht ganz ebenen Oberflächenstruktur. Aber es ist aus Leder und soll geschlagen werden. Ist dies ein ikonoklastisches Werk?

Mit Pionierpflanzen sehen lernen

Matthias Schamp, Jahrgang 1964, ist ein Künstler, der den Alltag ernst nimmt und ihn mittels semantischen Kapriolen gleichermaßen aufs Korn wie auf die Schippe nimmt. «Realitätsunterstützende Maßnahmen» ergreift er gern – so heißt etwa einer seiner Katalogtitel – und vermittelt eine andere Perspektive auf unsere so vernunftorientierte Wirklichkeit. In meinem Portemonnaie trage ich seit einigen Jahren ein kleines Zertifikat mit mir herum. Es besteht aus nichts anderem als einer visitenkartenkleinen Pappe, auf der gestempelt steht: «Dieses Zertifikat bestätigt die Existenz der eigenen Nase als Sichtfeldrandskulptur.» Mit großer Präzision oktroyiert der den gewohnten Dingen einen Widerpart, der nicht minder sinnvoll wie witzig ist. Aus dem Alltag und der Umgebung des Künstlers erwuchs ein erstaunliches Projekt, das Situative Brachland Museum, zu dem er Künstler einlud, Werke zu erschaffen, die entgegen der Kunstmarktgepflogenheiten über den Zaun einer Brache in der Bochumer Innenstadt geworfen wurden und seit einiger Zeit in der Ruhrstadt einigen Staub aufwirbeln. Über das vieldeutige Projekt und seine Hintergründe sprach Matthias Schamp mit mir (14.11.2011).